WINWARD Racing
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Gelungener Poker von WINWARD Racing

Eine gewagte Strategie im Sonntagsrennen auf dem Red Bull Ring verschaffte Lucas Auer eine sehr gute Ausgangslage für den DTM-Showdown.

Mit einer riskanten Reifenstrategie haben sich Lucas Auer und das Mercedes-AMG Team WINWARD Racing im Sonntagsrennen des siebten Rennwochenendes auf dem Red Bull Ring eindrucksvoll im Kampf um den DTM-Titel 2022 zurückgemeldet. Auf abtrocknender Strecke wagte der 28-jährige Tiroler als Erster im gesamten Feld den Wechsel von Regenreifen auf profillose Slicks und schaffte dadurch noch den Vormarsch auf den sechsten Rang. In Addition mit dem Bonuspunkt, den ihm die schnellste Rennrunde bescherte, liegt Auer als Gesamtzweiter der Zwischenrangliste vor dem Saisonfinale in zwei Wochen in Hockenheim nur noch elf Punkte hinter Tabellenführer Sheldon van der Linde (BMW).

Dabei war das morgendliche Qualifying mit Startplatz 12 im strömenden Regen gar nicht nach dem Geschmack des Kufsteiners verlaufen. Hatte es beim Start zum Rennen noch leicht geregnet, trocknete die 4,3 Kilometer lange Piste sukzessive auf, was das Reifenmanagement zu einem entscheidenden Faktor machte. Während einige Konkurrenten sich dazu entschieden, beim vorgeschriebenen Pflichtboxenstopp erneut Regenreifen aufziehen zu lassen, beschlossen die Strategen des Mercedes-AMG Team WINWARD Racing, Auer und seinen Teamkollegen Maximilian Götz so lange auf Regenreifen draußen zu lassen, dass ein Wechsel auf Trockenreifen in den Bereich des Möglichen rückte.

Als erstes Fahrzeug im gesamten Teilnehmerfeld wurden am KNAUS Mercedes-AMG GT3 am Ende der 22. Runde Slicks aufgezogen. „Diese Entscheidung kam vom Team. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte“, schilderte Auer. „In der ersten Runde nach dem Boxenstopp wäre ich mindestens dreimal fast abgeflogen. Aber als die Reifen dann Betriebstemperatur hatten, wusste ich: Wir haben das Richtige getan.“ In der Folge machte „Luggi“ Position um Position gut, drehte im 33. Umlauf die schnellste Runde des gesamten Rennens und kam am Ende als Sechster ins Ziel: „Schade, dass das Rennen nicht noch fünf Runden länger gedauert hat…“

Für den großen Titelshowdown am 8./9. Oktober in Hockenheim hat der Tabellenzweite eine ganz klare Devise: „Die ersten Fünf in der Gesamtwertung liegen nur um 18 Punkte getrennt. Ich bin überzeugt: Nur wer in Hockenheim mindestens ein Rennen gewinnt, wird Meister. Das heißt für uns: Volle Attacke!“

Nicht ganz zufrieden war am Ende Auers Teamkollege Maximilian Götz. Der 34-jährige aus Uffenheim hatte im BWT-Boliden im Qualifying die zweitschnellste Runde in den extrem nassen Asphalt gebrannt, wobei ihn eine Strafe wegen Verstößen gegen die Track Limits im Rennen am Vortag noch um drei Positionen nach hinten verbannte. Nach dem Start blies der Titelverteidiger umgehend zum Angriff, musste in der Folge aber zurückstecken. „Wir haben uns mit dem Luftdruck vertan“, gestand Götz. „Schon nach drei Runden sind die Hinterreifen eingebrochen, die Traktion wurde immer schlechter. In der Hoffnung auf eine Safety-Car-Phase haben wir beschlossen, trotzdem so lange wie möglich draußen zu bleiben, um dann zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf Slicks zu wechseln.“

Eine Runde nach Auer ließ auch Götz Slicks aufziehen und begab sich gemeinsam mit dem Teamkollegen auf Aufholjagd, die ihm letztlich einen siebten Platz bescherte. „Wenn man sieht, dass am Ende zwei Autos gewonnen haben, die das ganze Rennen auf Regenreifen durchgefahren sind, muss man ehrlicher Weise zugeben, dass das die richtige Strategie gewesen wäre – sofern man das Reifenmanagement perfekt hinbekommen hat. Wir waren während einer Phase von etwa zehn Runden zu langsam, haben dann allerdings noch das Beste daraus gemacht. Von daher können wir mit dem Ergebnis am Ende zufrieden sein.“

Was auf David Schumacher eindeutig nicht zutraf. Der 20-jährige Wahl-Salzburger hatte im RAVENOL-Renner bereits im verregneten Qualifying mit dem achten Startplatz geglänzt und fuhr auch im Rennen durchweg auf Punktekurs, als ihn eine unglückliche Strategie (Wechsel erneut auf Regenreifen in Runde 19) in Verbindung mit einem völlig missratenen zweiten Boxenstopp (Wechsel auf Slicks in Runde 28) chancenlos zurückwarf. „Das müssen wir als Team auf unsere Kappe nehmen“, nahm WWR-Teamchef Christian Hohenadel den Youngster in Schutz. „David hat heute eine astreine Leistung abgeliefert und hätte seine ersten Punkte mehr als verdient gehabt. Dass es nicht geklappt hat, war nicht seine Schuld.“

Insgesamt attestierte Hohenadel seiner Mannschaft eine sehr gute Leistung: „Auf einer Strecke, die sicher nicht zu unseren allerbesten gehört, haben wir uns mit den Plätzen 4 und 6 für Luggi im Titelkampf in eine sehr gute Position gebracht. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in Hockenheim konkurrenzfähig sein werden. Aber da vorne geht es dermaßen eng zu, dass in zwei Wochen absolut alles passieren kann. Das wird ein Showdown, wie er im Buche steht.“