Späte Genugtuung für WINWARD Racing
Eine Strafe gegen Lucas Auer im Samstagsrennen auf dem Red Bull Ring wird nachträglich revidiert. Götz punktet erneut, auch Schumacher stark.

Die Chancen von Lucas Auer und dem Mercedes-AMG Team WINWARD Racing auf den Gewinn des DTM-Titels 2022 sind weiterhin intakt. Was unmittelbar nach dem Samstagsrennen auf dem Red Bull Ring nicht danach ausgesehen hatte. Zwar hatte der 28-jährige Österreicher im KNAUS Mercedes-AMG GT3 nach starker Fahrt die Ziellinie als Vierter passiert, eine 10-Sekunden-Zeitstrafe wegen Überschreitens der maximalen Geschwindigkeit von 60 km/h in der Boxengasse warf den Lokalmatador aber zunächst auf den neunten Rang zurück.
Die Strafe sorgte beim Team indessen für Irritationen, war die Überschreitung um 3 km/h doch nicht am Beginn oder Ende der Boxengasse, sondern unmittelbar bei der Anfahrt zum Boxenstandplatz registriert worden. „Ich habe dafür keine Erklärung“, so Auer schulterzuckend. „Weder habe ich bei der Boxeneinfahrt die Linie überschossen, noch bei der Ausfahrt den Knopf für den Speedlimiter zu früh gedrückt.“
Zwar ist gegen eine im Rennen verhängte Zeitstrafe keine Berufung möglich, dennoch bat das Mercedes-AMG Team WINWARD Racing die Verantwortlichen hinterher um Prüfung der GPS-Anlage, die zur Überwachung der Geschwindigkeit in der Boxengasse eingesetzt wird. „Wenn eine Übertretung am Anfang oder Ende der Boxengasse stattfindet, ist die Erklärung dafür in der Regel sehr einfach. Aber wenn das Tempo überall stimmt und nur bei der Anfahrt zum Standplatz plötzlich eine Überschreitung von 3 km/h auftritt, wirft das durchaus Fragen nach der Korrektheit der Messung auf. Daher haben wir um Prüfung des Sachverhalts gebeten, mehr Möglichkeiten lässt das DTM-Reglement ohnehin nicht zu“, erklärte WWR-Teamchef Christian Hohenadel.
Nach eingehender Untersuchung revidierte die Rennleitung die Entscheidung und strich die zehn Strafsekunden gegen Lucas Auer wieder aus dem Ergebnis. Und weil Gesamtleader Sheldon van der Linde (BMW) im Samstagsrennen ohne Punkte blieb, reduzierte der Kufsteiner damit den Rückstand in der Gesamtwertung auf 20 Zähler, was seine Titelchancen drei Wertungsläufe vor Schluss deutlich erhöht, obgleich er im Zwischenklassement vom zweiten auf den dritten Rang zurückfiel.
Es war der Lohn einer blitzsauberen Fahrt des Tirolers, der sich vom siebten Startplatz aus mit geschickten Manövern in der ersten Runde um zwei Positionen vorarbeitete. Nach dem Boxenstopp überholte Auer einen weiteren Konkurrenten und setzte sich auf dem vierten Platz fest. „Unsere Pace war gut, wenn auch nicht gut genug, um die Spitze unter Druck zu setzen. Dennoch war es ein guter Tag, denn nach der Rücknahme der Strafe konnten wir in der Tabelle Boden auf van der Linde gutmachen. Ich hoffe, das gelingt uns auch morgen“, sagte Auer.
In dem Wirbel ging eine ebenfalls starke Leistung seiner Teamkollegen unter. Maximilian Götz (34, Uffenheim) war im BWT-Boliden mit der Startnummer 1 als Neunter zwar nicht unzufrieden, hatte sich aber von der achten Startposition aus etwas mehr erhofft. „Am Start musste ich zurückstecken, um Luggi nicht zu treffen, und verlor prompt eine weitere Position“, schilderte der Titelverteidiger. „Leider haben wir beim zweiten Reifensatz den Luftdruck nicht perfekt getroffen. Das Tempo der Spitze konnte ich das ganze Rennen über nicht mitgehen. Das ging aber allen Mercedes-AMG Piloten heute so. Von daher war dieser Top-10-Platz das Maximum.“
Der 16. Schlussrang von David Schumacher war nicht zuletzt einem suboptimalen Qualifying am Morgen und dem 23. Startplatz geschuldet. Wie schon mehrmals in dieser Saison legte der DTM-Rookie im RAVENOL-Renner eine starke Rennpace an den Tag und arbeitete sich zügig nach vorne – und das, obwohl sich Überholen auf der 4,3 Kilometer langen Rennstrecke in der Steiermark als schwierig erwies. „Eigentlich war es fast unmöglich“, seufzte der Sohn des sechsmaligen Formel-1-GP-Gewinners Ralf Schumacher. „Die Pace war wieder wirklich gut, vor allem auch auf alten Reifen. Der Knackpunkt war eben das Qualifying. Mit dem zweiten Reifensatz hatte ich ein wirklich gutes Gefühl, aber die Zeit kam trotzdem nicht, was ich ziemlich seltsam fand.“
Teamchef Hohenadel war mit der Leistung seines Trios einverstanden: „Insgesamt können wir mit unserer Pace zufrieden sein. Dass der Red Bull Ring eher nicht zu den besten Strecken für den Mercedes-AMG GT3 gehören würde, hatten wir im Vorfeld schon befürchten müssen. Nun müssen wir zusehen, dass wir morgen wieder das Beste draus machen.“
Das 14. Saisonrennen der DTM 2022 geht am Sonntag ebenfalls ab 13.30 Uhr über die Bühne. ProSieben überträgt ab 13 Uhr live, auf tv.dtm.com finden Rennfans alle Informationen rund um Boliden und Piloten.
