WINWARD Racing trotzt dem Nebelchaos
Fünftes DTM-Rennwochenende 2022: Maximilian Götz und Lucas Auer fahren im ersten Rennen auf dem Nürburgring auf die Positionen 4 und 5.

Das Mercedes-AMG Team WINWARD Racing hat in einem denkwürdigen ersten Rennlauf des fünften DTM-Saisonevents auf dem Nürburgring die Podestplätze nur hauchdünn verfehlt. Maximilian Götz (36, Uffenheim) steuerte seinen in BWT-Farben designten Mercedes-AMG GT3 auf den vierten Schlussrang. Unmittelbar hinter dem DTM-Titelverteidiger lief Teamkollege Lucas Auer (27, Kufstein) im Knaus-Schwesterauto ein. Erneut im Pech war dagegen DTM-Rookie David Schumacher (20, Salzburg), der seinen Ravenol-Boliden nach einer Kollision frühzeitig abstellen musste.
Es war beileibe kein Rennen wie jedes andere gewesen. Vielmehr war es bis am späten Nachmittag völlig unklar, ob das eindrucksvolle Teilnehmerfeld mit 28 GT3-Boliden überhaupt würde loslegen können. Wie so oft in der launischen Eifel hatte dichter Nebel den Traditionskurs in dichten Nebel gehüllt, sodass die Motoren bis in den späten Nachmittag hinein stumm blieben.
Erst gegen 16.30 Uhr klarte es etwas auf, sodass die Rennleitung das Startprozedere doch noch in Gang setzen und das DTM-Feld exakt um 17.15 Uhr von der Leine lassen konnte. Weil auch das morgendliche Qualifying der Nebelsuppe zum Opfer gefallen war, wurde die Startaufstellung gemäß dem Zwischenstand in der DTM-Fahrerwertung ermittelt. Was für die drei WINWARD-Rennwagen die Startpositionen 5 (Auer), 16 (Götz) und 26 (Schumacher) bedeutete.
Schon kurz nach dem Start wurde klar, wohin die Reise für die WWR-Piloten gehen sollte: Während Auer sich direkt auf den dritten Rang nach vorne schob, kehrte Routinier Götz als Zehnter aus der ersten Runde zurück und kassierte kurz danach in einem Aufwasch zwei weitere Konkurrenten. Auch Youngster Schumacher machte in den ersten drei Runden sechs Positionen gut und war auf dem weiteren Vormarsch, als er im vierten Umlauf mit einem Konkurrenten aneinandergeriet und seinen Wagen drei Runden später an der Box abstellen musste.
Derweil überholte Götz weitere Konkurrenten, darunter auch Kollege Auer, der mit einem nicht idealen Reifendruck kämpfte und sich daher gezwungen sah, seinen Pflichtreifenwechsel bereits am Ende der neunten Runde einzulegen, während Götz seine Boxencrew erst in Runde 20 ansteuerte. Nachdem beide Reifenwechsel gut geklappt hatten, setzte sich das WWR-Duo auf den Positionen 6 und 7 fest und profitierte in der Folge von einer Kollision der bis dato führenden beiden Piloten.
Bis ins Ziel attackierte Götz den vor ihm fahrenden Audi, verpasste den letzten Podestplatz letztlich aber um nur vier Zehntelsekunden. „Dieser vierte Platz fühlt sich an wie ein Podium. Das war eines der coolsten Rennen, die ich je gefahren bin“, jubelte der Champion hinterher. „Ich war deutlich schneller als der Audi, wollte ihn aber natürlich nicht einfach wegschieben, auch wenn ich ein, zwei Mal die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Noch zwei Runden, dann wäre er fällig gewesen. Aber wenn man von 16 auf 4 nach vorne fährt, ist ohnehin alles bestens. Das Auto war ab dem ersten Meter großartig, die Strategie hat so gut gepasst wie der Boxenstopp, und in der einen oder anderen Situation hatte ich auch das nötige Quäntchen Glück.“
Kollege Auer haderte ein wenig mit dem ersten Stint: „Da haben wir zweifellos ein besseres Ergebnis vergeben. Nachdem ich super durch die erste Runde gekommen war, musste ich schon früh in den Verteidigungsmodus schalten, weil ich einfach zu langsam war. Daher haben wir den Stopp vorgezogen, was sicher nicht ideal war. Im zweiten Stint war die Pace dann wieder tadellos. Von einem möglichen Sieg möchte ich nicht unbedingt sprechen, aber ein Podestplatz lag allemal drin.“
Richtig bedient war derweil David Schumacher, dessen Kontrahent in der ruppigen Situation eine Strafe erhielt: „Am Start sprang die Ampel auf grün, als ich noch auf Start und Ziel eingelenkt habe. Ich kam miserabel weg, merkte aber schnell, dass die Balance des Autos sehr gut war. Ich konnte einige Positionen gutmachen, bis es zum Kontakt mit dem Audi kam. Es war relativ bald klar, dass es besser ist, das Auto abzustellen. Schade, denn mit mehr Glück wären die Top-10 möglich gewesen.“
„Ein verrückter Tag“, kommentierte WWR-Teamchef Christian Hohenadel. „Die stundenlange Warterei hat schon sehr an den Nerven gezehrt. Dickes Kompliment an die gesamte Mannschaft, die trotzdem voll da war, als es um die Wurst ging. Die Boxenstopps waren tadellos, und die Fahrer haben unter diesen Bedingungen das Maximum herausgeholt. Ein besonderes Lob gebührt natürlich Max: Die Aufholjagd war ganz großes Kino! Für morgen wünsche ich uns allen, und insbesondere den tollen Fans, die so lange ausgeharrt hatten, obwohl sich kein Rad drehte, einen normalen Renntag mit einem dann sicherlich wieder superspannenden Rennen.“
Das Sonntagsrennen auf dem Nürburgring wird um 13.30 Uhr gestartet. ProSieben überträgt das komplette Geschehen beim zehnten Wertungslauf der DTM-Saison 2022 ab 13 Uhr live. Auf tv.dtm.com finden Rennfans alle Informationen rund um Boliden und Piloten.
