Starke Reaktion von WINWARD Racing in Imola
Lucas Auer verpasst das Podest beim Sonntagsrennen der DTM in Italien nur hauchdünn. Max Götz holt ebenfalls Punkte, David Schumacher scheidet aus.

Das Mercedes-AMG Team WINWARD Racing hat sich in einem spektakulären Sonntagsrennen des dritten DTM-Rennwochenendes 2022 im Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola eindrucksvoll für das enttäuschende Abschneiden des Vortags revanchiert. Nach einer bärenstarken Fahrt verpasste Lucas Auer (27, Kufstein) seinen dritten Podestplatz des Jahres nur um Haaresbreite. Titelverteidiger Maximilian Götz (36, Uffenheim) lief nach einer sehenswerten Aufholjagd auf dem neunten Schlussrang ein. Dagegen hatte DTM-Rookie David Schumacher (20, Salzburg) einmal mehr Pech und musste seinen Mercedes-AMG GT3 nach einer Kollision vorzeitig abstellen.
Das morgendliche Qualifying war noch nicht nach dem Gusto der deutsch-texanischen Mannschaft verlaufen. Die Startpositionen 9 (Auer), 20 (Götz) und 25 (Schumacher) verhießen auf der überholfeindlichen Piste unweit von Bologna alles andere als eine ideale Ausgangslage.
Doch anders als am Samstag kam den WINWARD-Piloten diesmal eine weitere taktische Stellschraube in Form einer Safety-Car-Phase zu Hilfe. Durch blitzschnelle Reifenwechsel verhalf die WWR-Boxencrew allen drei Mercedes-AMG GT3 zu Positionsgewinnen, wobei Auers KNAUS-Bolide allerdings nach einem unbedachten Anfahrmanöver eines Konkurrenten („unsafe release“) in die Boxenmauer gedrängt und auf beiden Seiten im Bereich der Vorderachse beschädigt wurde.
Der Neustart nach der Safety-Car-Phase indessen gelang dem Tiroler wie aus dem Bilderbuch. „Der war der Schlüssel zu dem guten Endergebnis – irgendwie haben die anderen alle geschlafen“, grinste „Luggi“, der sich so Boxenstopp-bereinigt auf dem dritten Rang wiederfand, allerdings sofort unter Druck der Verfolger geriet. Auer: „Das Auto hatte bei den Kollisionen mit Fraga und Bortolotti einiges abbekommen, ich musste kämpfen, um die BMW hinter mir zu halten. Leider habe ich dann kurz vor Schluss noch einen Fehler gemacht, sodass Wittmann durchschlüpfen konnte. Dafür muss ich mich beim Team entschuldigen, denn das darf eigentlich in der letzten Runde nicht mehr passieren.“
Neben dem starken vierten Rang von Lucas Auer, der damit in der Meisterschaft Boden gutmachte und als bester Mercedes-AMG Pilot Gesamtvierter ist, glänzte auch WWR-Kollege Maximilian Götz mit einer tollen Vorstellung. Nachdem ein Fehler im letzten Sektor seiner letzten Runde im Qualifying den amtierenden Champion auf Startposition 20 verbannt hatte, war der BWT-Renner mit der Startnummer 1 vom Umschalten der Startampel an auf dem Vormarsch.
Nach der Serie der Pflichtboxenstopps auf Position 10 liegend, kassierte Götz in Runde 25 mit einem starken Manöver einen Markenkollegen und verteidigte den neunten Rang bis ins Ziel souverän: „Wie gestern war meine Rennpace sehr gut. Am Ende wollte ich gegen Müller nicht mehr alles riskieren, weil mir auch Bortolotti im Nacken saß und ich die Punkte nicht aufs Spiel setzen wollte. Es hat richtig Spaß gemacht! Das Qualifying bleibt unsere kleine Baustelle, daran müssen wir unbedingt arbeiten. Denn auch die Quali-Pace steckt in unserem Mercedes-AMG GT3 drin, wir müssen sie nur herausholen.“
Nicht viel zu erzählen hatte derweil David Schumacher, der nach dem völlig missratenen Qualifying einen Superstart hinlegte, die gewonnenen Positionen aber noch im ersten Umlauf wieder abgeben musste, weil er wegen einer Kollision vor ihm über die Wiese ausweichen musste. Nach dem guten Boxenstopp während der Safety-Car-Phase steckte der Sohn des sechsmaligen Formel-1-GP-Siegers Ralf Schumacher rundenlang hinter einem Audi auf Platz 15 fest. „Und als ich es dann beim Anbremsen der Rivazza versuchte, zog er auf der Bremse nach innen, wir berührten uns, und das war’s. Ich habe sofort gemerkt, dass das Auto krumm ist“, schilderte David, der den Ravenol-Renner auf direktem Weg an die Box steuerte und abstellte.
WWR-Teamchef Christian Hohenadel war nach der Enttäuschung des Vortages am Sonntag deutlich besserer Laune: „Zunächst einmal, weil es ein superspannendes Rennen war, das sicherlich auch die Fans begeistert hat. Zum anderen, weil uns gegenüber gestern ein deutlicher Schritt nach vorne gelungen ist und uns auch das Safety Car etwas in die Hände gespielt hat. Nachdem uns die guten Boxenstopps einige Positionen nach vorne gebracht hatten, haben alle drei Fahrer ein tolles Rennen gezeigt. Luggi hat gekämpft wie ein Löwe und sollte sich über den einen Fehler am Schluss nicht allzu sehr ärgern. Max hat eine großartige Aufholjagd hingelegt. Wir müssen zusehen, dass er weiter vorne startet, dann kommen auch wieder die Topergebnisse. Und auch David war stark unterwegs. Er hat es gegen den Audi versucht, der Vordermann hat nicht mitgespielt, und dann hat es eben gekracht. Das passiert in der DTM gelegentlich …“
Bereits in zwei Wochen steht den DTM-Piloten und -Fans ein echtes Highlight der Saison 2022 bevor. Die Wertungsläufe 7 und 8 steigen am 2./3. Juli im „fränkischen Monaco“ auf dem Nürnberger Norisring. Motorsport-Kenner wissen: Der 2,3 Kilometer kurze Stadtkurs mit seinen nur vier Kurven rund um den Dutzendteich hat es in sich.
